Marillenunterlagen

MARILLENSÄMLING (P.armeniaca L.)

Er ist für warme, trockene Lagen, mit tiefgründigen und durchlässigen Böden geeignet. In erster Linie als Unterlage für die Heranzucht großer Bäume (Hochstämme) in Zukunft von Bedeutung. Die Wurzeln wachsen steil hinunter und verleihen dem Baum einen starken Wuchs, späteren Ertragseintritt und gute Widerstandkraft gegen Trockenheit. Die arteigenen Sämlinge zeigen gute Affinität zu den Edelsorten, sind jedoch verticillose- (Welkekrankheit) und wurzelschimmelanfällig.


ST.JULIEN INRA GF 655-2

Sie war bis Mitte der 90er Jahre unsere wichtigste Marillenunterlage im modernen Erwerbsanbau auf ´Schräger Hecke´. Ihre sehr bodenabhängige, mehr oder weniger starke Wurzelschoßbildung und ihre mangelhafte Affinität mit manchen Sorten veranlassen uns trotz guter Fruchtqualitäten zur Suche nach neuen Idealen.


TORINEL® avifel

könnte eine der wichtigsten Marillenunterlagen für moderne Spindel- und Heckenerziehung werden. Dieser Hybrid aus ´Reine Claude d´Althan´x ´Reine Claude de Bavay´ wächst schwächer als 655-2. Torinel hat eine sehr gute Verträglichkeit mit allen Marillensorten, ist aber unverträglich mit vielen Pfirsich- und Nektarinensorten. Auf Torinel veredelte Marillenbäume kommen sehr früh in Ertrag und sind widerstandsfähig gegen Wurzelersticken. Torinel® macht wenige aber bedornte Wurzelausläufer.

Torinel® und WaxWa brauchen im Winter höhere Bodentemperaturen um in Saft zu gehen als Ishtara®, Jaspi® fereley oder Pumiselekt, was bei Marillen nach Warmwetterperioden im Jänner und anschließenden Kälterückfall ein Vorteil sein kann.


Montclar bzw. Rubira®

Diese pfirsicharteigenen Unterlagen wachsen in Kombination mit Marillensorten um ca. 20-30% schwächer als der Marillensämling. Montclar wurzelt deutlich tiefer als 655-2 oder Torinel, was diese Unterlage vor allem im Trockengebiet und für Heckenerziehung zu einer sehr interessanten Unterlage macht. Obwohl Montclar um 10-20 % stärker wächst als 655-2, macht sie selbst als Spindel bei zehnjährigen Bäumen in unserer Versuchsanlage einen sehr guten, ruhigen Eindruck, was wohl auf ihre sehr frühe und reiche Blütenknospeninduzierung zurückzuführen ist. Die gute Fruchtqualität, früher Ertragseintritt, Trockenverträglichkeit und das Fehlen von Wurzelausläufern machen Pfirsichtypen zu einer wichtigen Unterlage im modernen Erwerbsanbau.

Marillensorten auf Montclar und Rubira veredelt pflanzt man am besten nur im Frühjahr, die Bäume sollten unbedingt vor dem Pflanzen in Wasser gestellt werden und der Pflanzschnitt wie bei Pfirsichbäumen kräftig durchgeführt werden.


WAVIT® Prudom

Ist eine speziell für den modernen Marillenanbau selektierte Zwetschkenunterlage aus Wangenheimer Frühzwetschken-Sämlingen. Da Wangenheims-Sämlinge recht unterschiedlich wachsen, haben wir uns schon lange bemüht, diese sehr robuste Unterlage homogener zu bekommen.

Der erste Schritt war, Kerne nur aus einer vollkommen isolierten virus- und phytoplasmenfreien Samenspenderanlage zu produzieren, wo Wangenheims sich nur selbst befruchten kann (WaxWa). Dies hat zu deutlich einheitlicheren Unterlagen geführt. Trotzdem führt diese generative Vermehrung zu Aufspaltungen, wo immer wieder Spurtypen auftauchen, welche dann extrem schwach wachsen und kleinere Früchte bringen. Einzelne Spurtypen führen gerade bei Marillen immer wieder zu Affinitätsproblemen.

Darum wurden an mehreren Stellen in Europa Klone ausgelesen und diese vegetativ vermehrt. Der derzeit erfolgreichste und am weitest verbreitete ist WAVIT® Prudom.

Durch die In-Vitro-Vermehrung bringt WAVIT einen absolut einheitlichen Schwachwuchs, der ca. 10 % unter dem von Torinel und GF 655-2 liegt. Auf guten, wüchsigen Böden stellt Wavit die beste Unterlage für den modernen Marillenanbau dar, auf trockenen Standorten sind Pfirsichunterlagen oder Myrobalanenklone zu bevorzugen. WAVIT ist robust gegen Chlorose und Wurzelersticken und macht wie Wangenheims allgemein sehr gesunde, langlebige Bäume. Eine gute Affinität mit allen Marillensorten in unserem Sortiment, frühe und hohe Erträge, das Fehlen von Wurzelausschlägen und ihre klimatische Robustheit sorgen für eine rasche Verbreitung.


29/C

ist ein vegetativ vermehrter Myrobalanentyp aus Amerika der um ca. 20% schwächer wächst als Myrobalanensämlinge und eine sehr große Adaptionsbreite besitzt – 29/C ist sowohl für sehr trockene als auch für sehr feuchte Standorte geeignet und weist eine geringe Sensibilität gegen Agrobakterium (Wurzelkropf), Verticillium und Nematoden auf. 29/C wächst sehr homogen und bildet nur wenige Wurzelausläufer.